Wenn Fiji untergeht und flashpacking abenteuerlich wird

Posted on Januar 19, 2009 von

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Fiji unter Wasser

Fiji unter Wasser

Irgendwie ist es uns entgangen, dass wir scheinbar einen Adventure-Trip gebucht haben und keine Erholungsreise mit Sonne, Palmenstrand und Mojitos. Und irgendwie hatten wir nicht die geringste Vorstellung, dass es noch viel schwieriger werden würde, Fiji wieder zu verlassen als es bereits war, überhaupt dort hin zukommen (die Trolleygirls berichteten ausführlich). Ok, wir wollen nicht undankbar sein, der exotische Palmenstrand war vorhanden, ein wirklich entzückendes Ressort mit Bambushüttchen und Hängematten, immer lächelnde Menschen mit Blumen in den Haaren, bunten Hemden und Wickelröcken um die Hüften (und wir sprechen hier nicht nur von den Frauen, denn auf Fiji ist die Blume hinterm Ohr und der Rock auch Sache des Mannes). Da war Sonne und eine herrliche Poolbar, es gab täglich lifestyliges Fiji-Wasser, Papayas und Passionsfrüchte zum Frühstück, mit einem Wort: es war himmlisch. Aber irgendwann war alles anders…

 

…es kam der Moment, an dem der tropische Regen anfing, mit seinem Können zu prahlen, stundenlang und durchaus ausgiebig. Aber was soll’s, so ist das halt, Fiji, Tropen, Regenzeit. Und die knackige Bräune hatten wir ohnehin schon quer durch die Lande geschleppt, von Kalifornien nach Hawaii bis nach Australien. Und bei 30 Grad und 100 % Luftfeuchtigkeit scheint so ein Wolkenbruch doch nur halb so schlimm. Bis zu dem Augenblick unserer Abreise. Mit den gepackten Koffern standen wir morgens um 8.00 wie vereinbart an der Rezeption um auf unseren Transfer zum Flughafen zu warten, so naiv wie man nur sein kann, wenn man die News von Fiji-TV verschmäht. Mit der entspannten Langsamkeit einer Südseerezeptionistin wurde uns nur allmählich klar, dass der bestellte Bus nie kommen würde, weil am anderen Ende der Insel bereits der Ausnahmezustand eingetreten war: Nadi überschwemmt, die einzige Straße zum Flughafen unter Wasser. Hektisch suchten wir nach Alternativmöglichkeiten, was die Dame mit der Blume hinter dem Ohr freundlich unbeeindruckt ließ. Wir ließen einen Inlandsflug von Suva nach Nadi platzen, weil ich mir nicht sicher war, ob ich „Air Fiji“ auf meine persönliche Blacklist setzen sollte oder nicht. Nach einer gefühlten Fiji-Time-Stunde („Fiji-Time is anytime“) die Erleichterung: Die Straße nach Nadi laut aktuellem Polizeibericht befahrbar, ein Fahrer würde kommen und uns zum Flughafen bringen. Glückselig saßen wir im Auto mit unseren sechs Gepäckstücken und erfreuten uns einer zweistündigen Autofahrt auf – man staune – trockener Fahrbahn. Dann die Ernüchterung sechs Kilometer vor Nadi: Wolkenbruch, die Welt geht unter, Hütten unter Wasser, Menschen waten im Wasser, Kühe stehen am rettenden Straßenrand und irgendwo da vorne eine Brücke, die nicht mehr zu sehen war. Grund genug für eine Kehrtwendung, eine weitere Stunde im Auto, dem Versuche den Flug per Handy zu canceln und eine kleine ungewollte Urlaubsverlängerung im 5-Star-Outrigger-Ressort, das zu diesem Zeitpunkt bereits einem Auffanglager glich. Um die Sache kurz zu machen: wir haben einen Tag und eine Nacht im Outrigger verbracht, auf dem Sofa neben dem Consierge, in unserem Zimmer mit Fiji-TV, Skynews und CNN und vorm Internet in der Lobby, nur um zu erfahren, dass bis Mittwoch ein Cyclon im Anmarsch ist. Auch das noch! Nach stundenlangem Verharren in der Telefon-Hotline der Pacific Blue wurde uns letztendlich ein Flug am Montag zugesagt. Und mit dem Gefühl „nichts wie weg von hier“ haben wir uns bereits am Sonntag für einen Helicopter-Flug nach Nadi brav in der Reihe angestellt – die offensichtlich einzige Möglichkeit zum Flughafen zu kommen. Leider auch der einzige Heli weit und breit und der setzte Prioritäten und die war, zuerst die Touristen von den kleinen Inselchen einzusammeln, um sie auf das Main Island zu bringen. Das dumme Ding hat uns nach stundenlangem Warten also einfach so im Stich gelassen und das, obwohl wir  brav unser Gepäck auf geschummelte 15 kg reduziert haben, um die zugelassene Gewichtsgrenze nicht zu überschreiten und so manchen zurückgelassenen Dingelchen weinen wir jetzt noch nach. Es folgte also eine weitere schlaflose Nacht, diesmal auf einer Couch in der Lobby. Schlaflos und kurz, denn um drei Uhr morgens standen wir gestiefelt und gespornt mit allen Koffern vor dem Hotel um nach dem nächsten Rettungsanker zu greifen: Ein Bus, der vor der High-Tide jene Brücke überqueren wollte. Und es war schon ein leicht befremdliches Gefühl, auf irgendeiner Südseeinsel bei Vollmond über löchrige Straßen zu poltern, um im Morgengrauen in einen Offroad-Bus umgeladen zu werden. Und vielleicht waren die 4WD-Aufkleber auch nur zur Beruhigung, denn im Schlamm sind wir so oder so steckengeblieben. Aber man möge es nicht glauben, wir haben an jenem Morgen den Flughafen tatsächlich erreicht, man hat uns nach stundenlangem Schlangestehen und der mündlichen Überlieferung eines Buchungscodes ein Boardingticket ausgehändigt! Und es war egal, dass ich nicht gerne fliege, dass es wie aus Eimern geschüttet hat, der Take-off etwas holprig und glitschig erschien, Hauptsache nach Hause. „Nach Hause“ war in diesem Fall Sydney, die Stadt, die sich zwei Tage lang größte Mühe gab, uns mit Sonnenschein und relaxter Heile-Welt-Stimmung wieder in flashpacking-Laune zu versetzen, bevor wir  uns mit rund 25 Flugstunden auf den endgültigen Heimweg machten.

Fiji geht jedenfalls in unsere ganz persönliche Geschichte ein und die erste Assoziation mit dieser Insel wird niemals „Paradies“ sein, sondern viel eher „Schlammschlacht“ oder „Sintflut“. Und für alle flashpacker dieser Welt sei gesagt: Das größte Abenteuer kommt immer zum Schluss! Aber alles wird gut und falls ich es noch nicht erwähnt habe: Everything’s fine at the end and if it’s not, it’s not the end.

Jea*