Morgens um 7 in Noosa oder wie man lernt, ein Longboard zu lieben

Posted on Dezember 19, 2008 von

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Jea* und das Longboard

Jea* und das Longboard

7.00 Uhr: Aufstehen (Tatsache!!) – 7.30 Uhr: Cappuccino im „aromas“ – 8.00 Uhr: Board vom Shop abholen – 8:30 Uhr: die erste Welle😉. Soviel zur Kurzversion. Die Langversion beginnt am Vortag und als Vorwarnung für alle Uninteressierten: Hier geht es wieder einmal ums Surfen! Denn: Noosa ohne Surfen geht einfach nicht, allein schon die Trockenanimation französischer Surflehrer am Strand mit einer wahrscheinlich einzigartigen – und mutmaßlich in Biarritz persönlich entwickelten –Variante des Take-Offs (man hebe das Ballerinabeinchen hoch in die Luft, bevor man es aufs Board setzt…so noch nie gesehen) reicht, um es auf eigene Faust versuchen zu wollen und den nächstbesten Board-Rentalshop aufzusuchen. Es dauert nicht lange und…


…ich befinde mich in einer tiefgreifenden Diskussion über Mini Malibus, Short- und Longboards mit einem blonden Sunnyboy mit höchstgradig verbrannter Nasenspitze und die Unterhaltung verläuft ungefähr so, als würde man einen eingefleischten Windows-User befragen, wie Entourage oder iPhoto funktioniert. Ich hätte ebenso darüber verhandeln können, ob es einen Gott gibt oder nicht, letztendlich drückt mir der Junge widerwillig mein gewünschtes Mini-Malibu in die Hand und macht mir dabei klar, dass er mit dieser Entscheidung nichts zu tun haben möchte („You take a longboard or you take a shortboard. I would never take a Mini-Mal“) So, dann geh ich also mit diesem dämonischen Mini-Mal durch ganz Noosa bis zum Surfer-Ghetto, ein gutes Stück weiter als der Badestrand, aber zumindest näher als die abgesonderte Bucht der Kite-Surfer-Bande. Und so leicht sich das Board schon beim Tragen anfühlt (und erste Zweifel kommen auf, ob 7‘6“ in Downunder dasselbe bedeutet wie in good old Europe), so leicht ist es auch im Wasser, so unkontrollierbar schwerelos, dass ich mir als Dankeschön gleich alle 3 Finnen in den Rücken ramme. Und überhaupt die Wellen sind völlig daneben an diesem Nachmittag. Ja, Surfen ist ein Natursport, ich weiß. Aber „Rote Grütze mit Brokkoli“, wie es mein Surfcoach der ersten Stunde bezeichnen würde (ich bezweifle, dass es sich dabei um einen Begriff aus dem Surfer-Vokabelheft handelt, aber man weiß irgendwie trotzdem was gemeint ist), macht keinen Spaß und mit dem falschen Brett schon gar nicht. Also zurückmarschieren, Board umtauschen. Ein weiter Weg und Muskelkater sollte man sich vom Surfen ansich und nicht vom Herumtragen des Boards holen, aber egal. So, Surferboy, ein anderes Brett bitte! Um unsere auseinanderklaffenden Weltansichten ein Stück näher zu bringen, stimme ich untertänig dem Longboard zu. Und ein Longboard ist tatsächlich „long“ und erscheint doppelt so „long“ wenn man den Zebrastreifen damit überqueren will und es wird auch garantiert nicht leichter, wenn sich beim unendlichen Weg vom Badestrand zum Surferstrand der Wind darin fängt. Was soll ich sagen: Ich war völlig erledigt, noch bevor ich mit dem Ding im Wasser war. So, und nun zu der Frage, wie man lernt, ein Longboard zu lieben? Die Antwort: Ich habe nicht den blassesten Schimmer! Ich schwöre weiterhin auf Mini-Malibus (ebenso wie mir nichts anderes als ein Mac ins Haus kommt, ob es nun einen Gott gibt oder nicht) Die Geschichte findet ihre Fortsetzung am nächsten Tag, mein 24-Stunden-Boardrental-Vertrag ist längst noch nicht ausgelaufen und weil am frühen Morgen ja so oft die besten Wellen des Tages anrollen, klingelt der Handywecker um oben erwähnte, unmenschliche 7 Uhr. Mit ebenso vielen Dollar in der Tasche mache ich mich zuerst auf den Weg ins „aromas“ (www.aromasnoosa.com.au) und schnorre einen Cappuccino und einen Blueberry-Muffin, den fehlenden Rest nimmt der nette Barmann nach einer Kurzfassung meines Surfleidenswegs aus purem Mitleid aus der Trinkgeldkasse. Und ich habe Glück, denn Sunnyboy mit der verbrannten Nase ist nicht da und sein Kollege händigt mir freiwillig und ohne Diskussionen ein Mini Malibu aus. Was danach folgt, reiht sich in meine bescheidenen Surfer-Glücksmomente: Man sitzt im Line-up noch bevor sämtliche Surfschulen aufkreuzen, wir sitzen da zu viert und warten zu jungfräulicher Morgenstimmung schweigend auf eine anständige Welle. Zwischendurch eine Konversation, die sich ganz surferlike auf „How are you today? Fine. And you? Fine.“ beschränkt. Es tut sich nicht viel in der Brandung, aber das ist auch besser so, weil mein Board immer noch zu klein ist, obwohl 8.0 drauf steht. Das mit den Maßen muss ich nochmals unter die Lupe nehmen, aber eines steht fest: Nie wieder Longboard! Und Shortboard? Nun ja, soweit bin ich noch nicht😉 Jea*