Rum dry&lime with 126 turtle eggs

Posted on Dezember 18, 2008 von

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Bundaberg Rum

Bundaberg Rum

Nach über 1000 Kilometern on the road ist es wieder mal Zeit für ein bisschen Action. Ab nach Bundaberg, rein in die gefühlte 234. Info-Stelle und direkt in die Arme von John. Nachdem wir so ziemlich jede Info-Stelle an der Ostküste nördlich von Sydney kennen, wissen wir jetzt auch, dass die Jobs in den Info-Stellen vornehmlich von Senioren besetzt sind. (Die übrigens meistens gerade erst an den jeweiligen Ort gezogen sind.( Sätze wie diese sind in der Info-Stelle keine Seltenheit: „Ah, I have been there last week to see it myself because I just moved here“ oder „Let me see. I have to search for it on the map. I just moved here myself, you know“) Irgendwie können sie uns aber dann doch immer weiter helfen. Nach fast einer Stunde mit John kennen wir dann nicht nur seine gesamte Lebensgeschichte (er kommt aus Holland, war im Februar gerade erst dort, hasst das kalte Wetter und den teuren Euro….) sondern wissen auch, dass wir unbedingt die Rum Destillerie und das Nesting der Loggerhead-Turtles sehen müssen. Schnell noch einen Caravan-Park suchen und auf ins Abenteuer.

Erst kommt die Rum Destillerie an die Reihe – natürlich, „turtle-nesting -watching“ geht ja nur in der Nacht. Also ab zur „Bundaberg Rum Distillery“. Unsere „self guided tour“ führt uns, immer den großen Bärentatzen und großen Schildern nach, direkt in die Bundaberg-Bar wo die Kostproben auf uns warten. Was wäre auch eine Besichtigung einer Getränke-Manufaktur ohne das gute Gebräu selbst gekostet zu haben. Was es da alles zur Auswahl gibt! Einig sind wir uns, dass der „Royal Coffee and Chocolate Liqueur“ dabei sein muss. Und der Name hält was er verspricht – delicious! Aber mein zweites Tasting tut es mir dann erst so richtig an. Auf die Gefahr hin hier einen falschen Eindruck zu vermitteln: Ich habe ein neues Lieblingsgetränk (abgesehen von meiner DietCoke-Sucht und dem Weißwein in den ich mich hier verliebt habe natürlich. Der Name will und will mir aber nicht mehr einfallen. Zuletzt gesichtet auf der Wein-Karte des „xxxx“ in Cairns .) Aber zurück zu Bundaberg. „Bundaberg dry&lime“ klingt schon so erfrischend.

Beschwingt und erfrischt machen wir Station auf unserem Caravan-Park. Dieses Mal ohne umpacken und frühabendlichen Vorbereitungen für eine Nacht im Camper. Nein, unsere Schlafstätte ist ja auch unser fahrbarer Untersatz, der uns an diesem Tag zu späterer Stunde noch zum „Mon Repos Conservation Park“ bringen muss. Pünktlich um 19.00 Uhr finden sich 60 neugierige Touristen vor dem Forschungszentrum ein und warten geduldig in der Warteschlange vor dem Gebäude. Naja sagen wir 58 Personen warten in der Schlange. Wieso um Himmels Willen muss man sich in einer Reihe aufstellen, wenn man die Tour sowieso vorher buchen muss und jeder sein Ticket schon in der Hand hat und auf jeden Fall noch ein paar Stunden im Forschungszentrum warten muss bevor man überhaupt in Kleingruppen zum Strand und den Eier legenden Schildkröten geführt wird? Wir zwei machen es uns gemütlich und spielen das lustige Spiel „Nationen raten“. Ich bin oft selbst schockiert wie gut wir schon sind und wie offensichtlich sich manche Mitmenschen zuordnen lassen. Sorry, irgendwie muss man sich ja die Zeit vertreiben während alle anderen in der Schlange warten und man selbst gemütlich auf der Parkbank fünf Meter daneben sitzt. Und wir waren am Ende nicht mal die Letzten die das Zentrum betreten haben! Nach einer Stunde in der Warteschlange haben sich nämlich doch wieder ein paar Leute dazu entschieden auch auf einer gemütlichen Bank weiter zu warten.

„Warten“ ist auch das Stichwort für den weiteren Verlauf des Abends. Nach dem wir vor dem Zentrum gewartet haben, werden wir nun eingeteilt in Gruppen um weiter zu warten. Sobald die erste Turtle aus dem Meer kriecht und es sich am Strand gemütlich gemacht hat, darf Gruppe 1, dann Gruppe 2 (das sind wir!) usw. Wir warten also während uns John (ja, schon wieder ein John) versichert, dass die Schildkröten, sobald sie angefangen haben am Strand ihr Nest zu graben, nicht mehr gestört werden von uns Menschen so lange wir uns ruhig verhalten, keine Lichter anmachen und alles tun was unsere Guides sagen. Gut, ich muss ihm das jetzt mal so glauben. Wir lauschen also John und seinen Geschichten, die sich anfangs noch rund um die Schildkröten. (Drei verschiedene Arten kommen jedes Jahr an diesen Strand zum Nesten. Das kommt nicht oft vor auf der Welt.) Als Gruppe 1 wieder zurück kommt, weil „ihre“ Schildkröte wieder umgedreht ist und zurück ins Meer geflüchtet ist fängt John dann, während wir warten, zu erzählen, und zu erzählen… weit weg von jeglichem Schildkröten-Themen. Und ich mache mir schön langsam Gedanken warum die arme Schildkröte wohl wieder zurück ins Wasser gekrochen ist, wo sie doch so viele Kilometer zurück gelegt hat um extra an dem Strand ihre Eier abzulegen an dem auch sie geschlüpft ist. Ich glaube einfach immer noch an das was John uns erzählt hat. „Sobald die Schildkröten anfangen das Loch zu graben, in das sie ihre Eier legen lassen sie sich nicht mehr stören.“ Gut , wir warten also weiter.

Und dann endlich: Gruppe 2! Letzte Instruktionen und eine kleine Wanderung im Dunkel der Nacht am Strand. Wie das in der Gruppe so ist, macht man sich nicht so viele Gedanken was da wohl alles rum kriecht und wo man überall drauf treten könnte. Wir haben eine Mission – die Schildkröte (die wir hoffentlich wirklich nicht stören!!!). Wow, die Sterne leuchten (großer oder kleiner Waagen, ich kann´s einfach nie sagen, direkt ober uns) und der Mond leuchtet uns den Weg. Und dann sehen wir schon die Spur im Sand, die bis an die bewachsene Grenze vom Strand führt. Eng beieinander bleiben, keine Lichter und ruhig verhalten. Dann dürfen wir die Schildkröte, die wirklich groß ist, umrunden und sehen zu wie sie ihr Nest gräbt und später ihre Eier darin ablegt. Wir dürfen die Eier sogar anfassen. Irgendwie kommt immer wieder das ungute Gefühl auf, dass wir die liebe Turtle doch irgendwie stören. Mitten drin statt nur dabei, ist es jetzt aber ohnehin zu spät irgendwelche Skrupel zu entwickeln. Per Funk werden dann noch Details mit den anderen Forschern über „unsere“ Schildkröte ausgetauschte und als die Forscher dann die gute Schildkröte noch abmessen und alles genau aufschreiben, kann man den wissenschaftlichen Charakter der Beobachtung nicht mehr leugnen. Ich glaube also fest daran, dass die Schildkröte kein Trauma erlitten hat und wir einfach so ein unvergessliches Spektakel miterleben konnten.

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