Der Hai, der keiner war und die Sache mit Fiji

Posted on Dezember 12, 2008 von

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Reef

Reef

Tiefgehende Gedanken im wahrsten Sinne des Wortes verfolgen uns seit unserem beindruckenden Erlebnis am wohl besten Tauchspot dieser Welt und es fällt schwer von etwas anderem zu erzählen. Egal was, es wirkt ein bisschen kleiner und unbedeutender als es eigentlich ist: So haben wir heute einen kleinen Abstecher in die Wildnis absolviert und den Regenwald des Eungella National Park auf dem Weg nach Mackay erkundet, nicht zu vergessen ein Abend im vergessenen Städtchen Bowen, weit und breit nichts außer wir, unsere Cabin (ja, es ist immer noch zu heiß, um im Camper zu schlafen, wir schwören es, ehrlich!) und genau vor unserer Nase das Meer und die Palmen, die im Vollmondlicht zur Geräuschkulisse einer Zoohandlung um die Wette strahlen. Ja, all das ist nichts im Vergleich zum farbenfrohen Great Barrier Reef, wo selbst der vielgerühmte Clownfisch sich Mühe geben muss, in seiner schillernden Umgebung noch aufzufallen. Und ich weiß das, denn…

…ich war da unten, hautnah, der lässig-kompetenten Crew und vor allem meinem geduldig-einfühlsamen Tauchlehrer sei dank, der mich als vorerst unwillige Schülerin händchenhaltend in die Tiefen der Meere geführt hat😉 Und hätte ich zu diesem Zeitpunkt schon gewusst, dass der gute Mann Dirk heißt, hätten wir uns die Kommunikation auf Englisch über Wasser sparen können, unterhalb des Meeresspiegels spielte jeglicher verbale Austausch dann ohnehin eine eher untergeordnete Rolle. Zudem hoffe ich, dass die arme Seegurke nicht jeden Tag aufs neue hochgehoben wird, von Taucherhand zu Taucherhand gereicht wird, um von der Unterwasserfotografin als eher unansehnliches Fotomodel missbraucht zu werden (ja, das erinnert stark an die Geschichte vom Koala-Bär, der nicht aufs 999 Touri-Foto wollte, aber einer Seegurke wird man das Geheimnis, ob sie Blitzlichtgewitter gut findet, noch viel weniger entlocken können). Aber das Riff hat nicht nur die beschauliche Welt mit Seegurken und kleinen vor sich hin glotzenden Fischen zu bieten, es gibt auch durchaus spannende Momente. Besonders spannend für mich war der Augenblick, in dem ich gedankenversunken vor mich hintauche, da wo das Riff aufhört und in unendliches Blau übergeht, was sich unter Wasser ungefähr wie ein freier flauschiger Fall von einem Hochhaus anfühlt, wenn von oben die Sonne ins Meer blitzt und eine Horde kleiner Zebrafische an mir vorbeizischt und man genüsslich denkt „och, wie unglaublich schön ist das hier und so ruhig“ während man nur das gleichmäßige Blubbern des eigenen Atemgerätes hört. Aber dann taucht da im schönsten Blau plötzlich so ein graues eineinhalb Meter langes Etwas auf und so schnell wie ich hatte wohl noch keiner beide Füße samt Flossen auf der Bootsleiter, begleitet von dem Aufschrei „Stephie mach die Leiter frei, ich muss da raus, da kommt ein Hai!“ Soviel zum Adrenalinausstoß des Tages und man glaube mir, die vorangegangene Instruktion „wenn Haie, dann keine großen und die fressen auch lieber Fische als Menschen“ hilft rein gar nichts, selbst wenn sich später aus sicherer Entfernung herausstellt, dass der arme Fisch kein Hai ist, sondern einfach nur groß und hässlich. Graues Understatement im eintönigen Look eines Karpfens gibt’s also auch im paradiesisch schillernden Great Barrier Reef. Ja, man kann sich seine Hülle nicht aussuchen. Das dachte wohl auch so manch schöner Fisch von uns Schnorchlern und Tauchern, mussten wir uns doch angesichts der Jahreszeit in unkleidsame Stinger-Suits zwängen, als Schutz vor den kleinen hochgiftigen Quallen, die derzeit vor der Küste ihr Unwesen treiben. Und wenn man sich schon die Hülle nicht aussuchen kann, so hat man die Wahl zumindest bei seiner Umgebung. Das Riff war wahrhaftig eine der bisher großartigsten Umgebungen, die man sich aussuchen kann und bei dieser Gelegenheit erwähne ich doch gleich, dass wir gestern Fidji gebucht haben. Jawohl, zehn Tage, vier Sterne („was, nicht mehr?“ höre ich da den einen oder anderen raunen). Thailand hat sich angesichts der Lage für uns erledigt, wobei das Wort „Alternative“ in Verbindung mit den Fidji-Inseln reichlich fehl am Platz wirkt und ja, wir haben uns tatsächlich die letzten Tage bei Sätzen wie „na gut, wenns denn sein muss, dann fliegen wir eben auf Fidji“ ertappt. Wir müssen uns in solchen Momenten immer selbst ein bisschen aus unserer Paradies-Blase rausholen: Verdammt: Fidji, Südsee -hallo?! Hey, man kann es wahrlich schlimmer treffen als den Jahreswechsel auf dem „Malle der Australier“ zu verbringen, näher als einen 4-Stunden-Flug entfernt rücken die Südseeinselchen demnächst ganz sicher nicht mehr und ich kann mir vorstellen, dass sie sogar gute Chancen haben, unser Riff-Highlight noch zu toppen. Jea*