Jacob, fünf Sterne und das Glück

Posted on Dezember 6, 2008 von

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Peppers Beach Club

Peppers Beach Club

Jetzt sind sie wieder glücklich, die Trolleygirls. Es ist doch so einfach, ein entspanntes Lächeln auf unser Gesicht zu zaubern, es sind nur zwei Worte: „fünf Sterne“. Doch zuvor kam Townsville und eine der gruseligen Camper-Nächte auf dem Weg zu unserem nördlichen Endziel Port Douglas. Die Luft war wieder einmal mehr als knapp, dagegen kamen auch die Do-it-yourself-Mosquitonetze und der Dauereinsatz des frisch erstandenen Ventilators nicht an. Wie schön doch der Moment…

…wenn nach einer schlaflosen Nacht, endlich die Sonne aufgeht, man aus dem Camper purzelt, sich ein Handtuch schnappt, um auf der Pool-Liege aufzuholen, was bei nächtlichen Saunatemperaturen nicht möglich war. Völlig derangiert zwar, wie ein Überbleibsel irgendeiner Bar, aber egal, einfach nur Schlafen ohne nach Luft schnappen zu müssen! Mit abwechselndem Fahreinsatz und sehr müden Augen haben wir es am nächsten Tag bis Cairns geschafft, uns eine Cabin im altbewährten „Big4 Caravan Park“ mit jeder Menge Ventilatoren und Aircondition gegönnt, die wir zwei Nächte lang intensiv auf ihre Funktionsfähigkeit geprüft haben. Mit frischer Energie sind wir schließlich irgendwann im sagenumwobenen Port Douglas eingetroffen, das kleine Paradies am nördlichen Zipfel, der Place-to-be, an dem es laut Celebrity-Berichten auch George Clooney oder Kate Hudson aushalten und Matthew McConaughey schon mal eine gesellige Runde in der Iron Bar ausgibt (ich oute mich an dieser Stelle als aufmerksame Leserin des „OK magazine“). Und an diesem unseren Ziel, das so übel also nicht sein kann, und vielen schlaflosen Nächten (und ebenso vielen Schreckmomenten bei Tag…stimmt, von unserem mysteriösen Cabin-Nachbarn und Stephies Begegnung mit einer Riesenspinne haben wir noch gar nicht erzählt!) haben wir es uns einfach verdient, unser Stück vom Paradies, die ersehnte Erholung vom Feinsten. Nach knapp 80 km von Cairns bis Port Douglas, ein Katzensprung im Vergleich zu unseren insgesamt zurückgelegten Entfernungen, die sich längst im vierstelligen Bereich befinden, wird der Vormittag vollkommen dafür reserviert, um die perfekte Unterkunft zu suchen und zu finden. Nein, wir wollen nicht irgendetwas. Wir sind am Ziel, wir wollen das Beste. Wie Inspektoren, bewaffnet mit Foldern, Visitenkarten, Plänen und Fotoapparaten, lassen wir uns Zimmer, Suiten und Appartements zeigen, fragen nach nach Pool, WIFI, Gym und sonstigen Facilities. Mittlerweile haben wir eine sehr genaue Vorstellung von dem, was wir wollen und lesen bereits von der Hotelfassade ab, ob es sich lohnt, Lobby und Zimmer zu inspizieren. Es käme durchaus ein gewisser Funfaktor mit ins Spiel, mit Schlüsseln in der Hand und prüfendem Blick durch Zimmer und Resorts zu streifen, wäre da nicht diese tropische Hitze. Nachdem wir vier der von der Accomodation-Info empfohlenen Resorts abgeklappert haben, sehen wir plötzlich ganz nobel an der Straße ein weißes Gebäude hinter Palmen, dessen edler Schriftzug „Peppers Beach Club“ besagt. Muss man doch zumindest gesehen haben. Also wird ohne Genieren mit dem Hippiecamper vorgefahren (so sind sie halt, die Flashpacker) und die Sache mal aus der Nähe betrachtet. Kurz darauf stehen wir in einer stylishen Open-Air-Lobby zwischen Rezeption und einem sehr bemühten Concierge. Unser Blick fällt direkt auf den Pool im karibischen Beach-Look und wieder mal vernehmen unsere Ohren das Wow-Wort „Swim Out Appartement“, sprich: eigener Poolzugang direkt von der Terrasse. Wir lassen uns ein Zimmer ( im Prinzip eher eine komplette Wohnung), zeigen, nein natürlich, viel zu teuer und viel zu schön um wahr zu sein. Aber da ist ja noch der gutmütige Dollarkurs und wir könnten uns ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk machen und außerdem: Hat der Australier am Parkplatz nicht gesagt „Enjoy yourselves“? (Ich kann mich übrigens nicht erinnern, dass mir zu Hause je ein Wildfremder auf irgendeinem Parkplatz etwas Gutes gewünscht hat). Sind wir nicht viel zu sehr mit schlechtem Gewissen vollgepackt, nicht zu arbeiten und trotzdem ein kleines Paradies auf Erden verdient zu haben? Warum eigentlich? Wir beschließen, uns der Mentalität des Landes anzuschließen und schon wird der Hippie Camper höflich in der Tiefgarage geparkt. Der Concierge befördert unser Gepäck wie selbstverständlich vom Low-Budget-Bus ins 5-Stern-Appartement und sorgt höchstpersönlich dafür, dass wir eines der graziösesten Appartements bekommen, Stichwort: swim out😉. Am nächsten Tag kennt das ganze Staff unsere Website und zum Frühstück wird ein „hey, the hippiecamper is yours? cool! …not so many backpackers here!“ serviert. Klar, wir sind ja auch Flashpacker! Ja, es fällt nicht leicht, uns einzuordnen, aber zum Glück ist der Australier kein Schubladenmensch, kein schiefer Blick, kein Taxieren, jeder ist willkommen, alles ist cool. So kostet es auch den Typen vom Liquor Store nicht einmal eine hochgezogene Augenbraue, wenn zwei, sagen wir mal „ungestylte“ Mädels aus einem billigen Campingbus steigen und ganz gezielt nach zwei gediegenen Flaschen Jakob’s Creek Sparkling Rosé fragen. Rosé gab’s nicht, aber Jakob leistete uns trotzdem flüssige Gesellschaft an diesem Abend, auf einer Terrasse mit dem unverbauten Blick auf einen sagenhaften Pool, ok, ein bisschen zu warm vielleicht das Gewässer, aber man muss eben auch Abstriche machen hier oben im tropischen Paradies. Jea*