Camping ist schön und gut – besonders,wenn man eine Pause macht!

Posted on November 30, 2008 von

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appartment with a view
appartment with a view

So glänzen und duften nicht nur wir zwei Trolley-Girls endlich wieder mal, sondern auch all unser Equipment, das wir so mit uns in unserem Camper rum schleppen. Nach tagelangem Leben auf engstem Raum mit Regengüssen, bei denen sogar der Camper irgendwann aufgibt uns trocken zu halten und eher schlaflosen Nächten, war es Zeit wieder mal aus unserem „Vanchen“ auszuziehen. Und wer uns kennt weiß, dass es bei uns keine halbe Sachen gibt. Wir sind uns auch dieses Mal treu geblieben und nun sitzen wir hier in unserem Luxus-Appartement und blicken auf das türkisfarbene Meer vor der Withsunday Coast.

 Two Girls on the Road, das war das Motto der letzten Tage. Nach einer halben Woche in Byron Bay hatten wir uns schon richtig in den Ort verliebt. Wären da nicht der liebe Dauerregen und die ewig nervenden „Schoolies“ gewesen. Genug vom Regen und den 18-Jährigen bei ihrer Dauerparty zuzusehen machen wir uns auf den Weg. So nördlich wie möglich ist der Plan, denn es regnet weiter und so lange uns das Wetter nicht wieder mal mit einem strahlenden Sonnenlächeln am  Morgen begrüßt, wird gefahren was das Zeug hält. „Was das Zeug hält“ heißt in diesem Fall wie weit uns unser lieber Hippie-Camper trägt ohne aus der Spur zu fallen oder irgendwelche Kängurus zu überfahren. „Tanken, immer tanken, wenn ihr eine Tankstelle seht“, haben uns noch Carmen und Roland (zwei ganz nette Australien-Reisende aus Südtirol) geraten. Auf unserem Weg nach Noosa ist aber alles immer noch sehr besiedelt und eine zweispurige Autobahn bringt uns auf gemütlichem Weg in das ebenso gemütliche Noosa, das nicht nur laut Reiseführer ein bisschen an einen Ort an der Cote d’Azur erinnert. Aber so sehr man als Camper an vielen Orten der Welt sehr bevorzugt behandelt wird und den Caravan-Park am sogenannten „Einser-Platz“ vorfindet, also direkt im Ort, am schönsten Strand….so sehr sind wir enttäuscht, dass diese Regel in Noosa Heads auf gar keinen Fall zu gelten scheint. Direkt an der Strandpromenade in der trendigen Hastings Street liegt das Visitor-Center. Ui, da haben wir uns gleich gefreut über die netten Lokale und die stylischen Shops. Zu früh gefreut! In Noosa Heads werden die Camper ans andere Ende der Welt gebeten, an den ADW sozusagen. Endlich im Caravan-Park angekommen, stellt sich auch schon wieder der altbekannte Regen ein. Schnell alles umräumen, Bett fertig machen und dann ist der Tag schon wieder um. Nette Nachbarn, so wie in Byron Bay gibt´s auch nicht und selbst im Waschraum vermissen wir die zahlreichen Schoolie-Girls, die verdächtige Flüssigkeiten aus Plastikbechern trinken und paradiesische Farbgestaltungen in ihren Gesichtern vollbringen. Also früh ins Bett und am Morgen gleich wieder weiter flitzen.

Vor lauter Sauerstoffmangel, Hitzeattacken und Zeitumstellung sind wir pünktlich um 8.00 Uhr am nächsten Tag abfahrbereit und legen eine Gewaltstrecke von 580 Kilometern zurück. (Und mit diesem Bus ist das eine ganz schöne Strecke – also ihr mit euren sicheren Golfs, BMWs, Jeeps, Polos, Audis…. kommt gar nicht erst auf die Idee bei 600 km die Nase zu rümpfen!.. Ah, ich vermisse mein Auto!!!!) An diesem Tag fällt mir auch mitten im Nirgendwo, als unser Tank schon kurz vor ganz, ganz leer ist und dann doch endlich eine Tankstelle aufgetaucht, folgender Spruch wieder ein: „Immer tanken, an jeder Tankstelle, die ihr seht tanken“! Ab hier ist also wirklich Schluss mit besiedeltem Gebiet und das weltbekannte „Nirgendwo“ fängt an. „Nachbarort“ und „Nachbar“ bekommen hier für uns Europäer eine ganz neue Bedeutung. Man fährt und fährt und fährt: 100 Kilometer, 200 Kilometer, 250 Kilometer.. ja, da – da ist wieder ein Haus. Aber nur ein Haus, bis zum nächsten „Ort“ sind es noch einmal 50 Kilometer. Mit einem Camper-Van, der gute 18-20 Liter auf 100 Kilometern „schluckt“ heißt es da wirklich fleißig tanken. Jeanette hat ganz passend zu mir gesagt: „Ich hab‘ das Gefühl, an manchen Tagen haben wir nichts anderes gemacht als getankt!“

Zurück auf die Strecke: Nach annähernd 600 Kilometern Fahrt in einen Ort namens Yeppoon in dem so richtig gar nichts los ist und uns das Wetter schon wieder im Stich lässt und die Amenities (Toilette, Bad, Küche…) am Campingplatz wirklich zu wünschen übrig lassen, wollen wir eigentlich nur ein bisschen schlafen um am nächsten Tag wieder frisch und munter viele Kilometer zurück legen zu können (wir wollen endlich in den viel gelobten Norden!!!). Dieser Plan geht dann aber gewaltig in die Hose. Vor neun ins Bett kann auch seine Nachteile haben. Nachdem wir uns ca. eine Stunde im stickigen Bus hin und her wälzen, halten wir es beide nicht mehr aus. Raus, raus, raus!!! Müde sitzen wir vor unserem Van und wollen einfach nicht mehr rein klettern. Genau in diesem Moment fällt die Entscheidung: Morgen schlafen wir ganz bestimmt nicht mehr in dem Bus, wir brauchen eine Pause!!! Mit dieser schönen Aussicht auf die morgige Nacht kriechen wir wieder in den Hippie-Camper und fallen wahrscheinlich eher vor lauter Sauerstoffmangel in Ohnmacht, als das wir auf natürlich Art und Weise einschlafen, aber wir sind zumindest für die nächsten Stunden ruhig gestellt. Schon wieder falsch gedacht! Wir haben ja schon Erfahrung mit unsanftem geweckt werden (Schoolies, die mitten in der Nacht unsere Camper-Türe aufreißen und betrunkene Freundinnen bei uns parken wollen), aber dieses Gewitter übertrifft alle bisherigen Erlebnisse. Prasselnder Regen, der nach zehn Minuten nicht mehr nur seitlich an unserem Camper abläuft, sondern dann auch direkt zu uns rein, direkt in unser gemütliches Bett. Ganz nass bin ich wenigstens kurz abgelenkt von der Angst, die bei jedem Blitz und Donner (direkt über unserem Camper-Van) und jedem Windstoß in mir aufschreckt. Die Rechnung „Nacht=Schlafen=ausgeruht sein“ geht in diesem Fall also nicht auf.

Tapfere Trolley-Girls lassen sich aber natürlich von so kleinen Naturkatastrophen und schaflosen Nächten nicht aus der Bahn bzw. von der Straße werfen. Die frühe Abfahrt aus Yeppoon gibt uns die Zeit in Rockhampton noch am Bunnings Warehouse stehen zu bleiben. Wenn die liebe Camper-Vermietungsfirma schon keine Moskito-Netze an die Fenster des Vans machen kann, dann können wir das auch selbst! Ausgestattet mit Netz, Klebeband, Schere und dem tollsten kleinen Ventilator, den ich je gesehen habe, sind wir gleich wieder besserer Laune und es geht wieder ab auf die Straße! So sehr wir uns auf die Bastelarbeit an unserem Van und die bevorstehenden Nächte mit offenen Fenstern freuen, so sehr hat sich der Gedanke an ein (oder am besten zwei!) richtiges Bett in einem großen Raum in dem man aufrecht stehen kann, in unseren Köpfen festgebrannt. Auf nach Airlie Beach und ab in eine schöne Cabin oder ein Cottage!

Nach wieder fast 600 Kilometern zurück gelegter Strecke kommen wir also völlig müde an der Withsunday Coast an. Gewohnt an die Umgebung eines Campingplatzes haben wir uns in unserem schlauen Caravan-Park-Buch, das beste Camping-Resort, das die Küste her gibt, ausgesucht und steuern direkt dort hin um hoffentlich gleich eine nette Cabin zu beziehen. Wow, die Rezeption ist schon mal schöner als bei vielen Hotels. Das lässt doch auf ein nett eingerichtetes Cottage hoffen. Als uns die nette Dame an der Rezeption aber wieder weg schickt, weil absolut alles ausgebucht ist, und uns auch die weiteren drei Resorts nichts für uns frei haben, vergessen wir vor lauter Frust und Erschöpfung das erste Mal nach 13 Tagen auf Australiens Straßen auf der linken Seite zu fahren und wissen eigentlich gar nicht mehr wo hin mit unseren schlaffen Körperhüllen. Fast schon unfähig eine Entscheidung zu treffen und gereizt haben wir uns eigentlich schon damit abgefunden, dass wir zwei auch heute wieder in unseren kleinen Van kriechen müssen um darauf zu hoffen ein paar Stunden Schlaf zu erhaschen. Aber da waren doch noch diese Häuser am Hügel. Die Kraft bringen wir jetzt noch auf und fragen da nach! Unser Bus macht auch schon fast schlapp und schafft es gerade noch die steile Straße vom Zentrum von Airlie Beach hinauf auf den Hügel wo sich eine Appartement-Anlage an die andere anschmiegt. Eigentlich hatten wir ja die Anlage gleich in erster Reihe angesteuert. Auf der Suche nach der Rezeption sticht uns aber eine noch viel Schönere ins Auge. „Komm, jetzt fragen wir erst da nach!“. Kraftlos steigen wir stoisch die gefühlten tausend Stufen zur Rezeption des Toscana Village Resorts hinauf. „We are looking for a room!“ „Sure, do you wanna see it? I have only one left!” Schon wieder Stufen! Aber die zahlen sich dieses Mal richtig aus. Die nette Dame von der Rezeption macht die Türe Nummer 4  auf und sofort kehrt wieder Kraft in unsere Körper und ein Lächeln auf unsere Gesichter zurück! Wir schreiten in ein riesiges Appartement mit zwei Schlafzimmern, zwei Bädern, Küche, Wohnzimmer mit Flachbildschirm, eigener Waschmaschine und Trockner und einem Balkon mit einer Aussicht, die uns für alles entschädigt, was wir in den letzen 12 Nächten in unserem Bus durchlebt haben! „Yes, we take it for 2 nights“! Schnell noch unseren lieben „Kurt“, so haben wir den Van gestern getauft, in unsere Doppel-Garage!!! geparkt und ein kleiner Einkauf im Supermarkt und dann kann ein perfekter Abend beginnen.

Völlig entspannt und gebannt sitzen wir auf unserer Terrasse und saugen diesen Blick auf die unbeschreiblich schöne Whitsunday Coast in uns auf. Im aquamarinblauen Wasser schwimmen die kleinen Yachten und wir können den Blick gar nicht mehr abwenden von der wunderschönen Küste, die sich da unter uns erstreckt. Manchmal müssen wir aber dann doch kurz aufstehen und unser Appartement noch einmal bewundern. Danke lieber EURO-Kurs, danke! J s

Und sollte sich noch jemand fragen, was zum Teufel eigentlich „Flashpacking“ ist? Genau das hier: Vom stylischen Stadthotel in den Hippie-Camper und dann ins Luxus-Appartement und zurück!

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