100 % Waikiki

Posted on November 4, 2008 von

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100 % waikiki

100 % waikiki

Wir machen ja keine halben Sachen: Immer auf der Suche nach dem tollsten Hotel zum billigsten Preis, dem besten Plätzchen am schönsten Beach und auf der Jagd nach allen Added Values dieser Welt und sei es nur “Breakfast included”, “WIFI for free” oder “buy 1, get 2”. Ja, was wir machen, machen wir richtig und holen aus allem die volle Punktezahl raus, sogar aus einem gewöhnlichen Car Rental. Was wahrscheinlich auch erklärt, warum wir gestern mit einer überdimensionierten Pontiac-Limousine an die North Shore gefahren sind.

Man muss schließlich auch mal raus aus Honolulu und rein in die unerschlossene Prärie, irgendwie muss man sich ja abheben von der Masse asiatischer Touristen. Ja, wir sind anders, wir suchen uns ein Plätzchen am anderen Ende der Insel, mischen uns unters gechillte Surfervolk und machen einen auf “hang loose“. Angekommen in Haleiwa, sind wir immer noch von unserem Plan überzeugt: Endlich mal keine 20-stöckigen Hotelkomplexe, keine McDonald‘s Filiale und keinen ABC-Store (der aufgrund seiner hohen Filialdichte in Honolulu sehr geschätzt sein muss), dafür hie und da eine relaxte Bar im Hippie-Style, dazwischen lässig-heruntergekommene Wohnhütten und Surfshops und natürlich die obligatorischen Surfer, die hier fast wie auf Kommando ihre Boards kreuz und quer durch die Gegend tragen, als wären sie Filmstatisten zur Untermalung der Gesamtstimmung. Alles easy-going eben, passt zu uns, hier bleiben wir. Die Sache hat nur einen einzigen Haken: hier oben im Norden gibt’s weit und breit kein Hotel. Wir fahren also weiter Richtung Waimea Bay und folgen einem heißen Surfer-Geheimtipp und obskuren bis halb verwesten Holzschildern. So relaxt wie möglich parken wir die Pontiac-Limo zwischen verrosteten Pick-ups, unsere bunten Trolleys unauffällig unterm Stufenheck verstaut. Ein Californian Sunnyboy weist uns freundlich den Weg und schon stehen wir in der “Lobby” in der einzigen Unterkunft weit und breit: Welcome to Plantation Village! Als würde man uns das Lifestyle-Getue der letzten Wochen an der Nasenspitze ansehen, bekommen wir zwar den Schlüssel zur Besichtung eines so genannten “Appartments“, aber auch ein paar fragende Blicke herumlungernder Sufertypen mit dazu. Für Stephie von Anfang an ein absoluter Ausschlussgrund, ich hingegen werte es immer noch als Neugier auf möglichen weiblichen Besucherzuwachs in einem männlich dominierten Surflager. Aber soweit kam es nicht, denn der satte Preis, um zwischen ein paar vermoderten Holzlatten mit einer undefinierbaren Anzahl von Leuten zu übernachten, wirkte nicht einladend genug auf uns, ganz zu Schweigen von unseren dort absolut deplazierten Trolleys, die wir wohl irgendwann bei Nacht und Nebel heimlich ins Quartier geschleppt hätten, um danach alles mit herumliegenden Surfbrettern oder Bananenblättern zu tarnen. Nein, so locker-lässig die Stimmung auch gewesen wäre, das war nichts für uns. Es folgt ein kurzer Zwischenstop am nördlichsten Zipfel Oahu’s beim Turtle Bay Resort, der 5-Sterne-Platzhirsch, die Nacht ab 500 $, es fällt leicht, diesen unpersönlichen Luxusbunker abzuhaken. Also weiter nach Laie, ein Ort, der auf vielen der Inselkarten nicht einmal aufscheint. Wir wissen jetzt auch warum: In Laie steppt nicht gerade der Bär, um es charmant auszudrücken, aber, man mag es kaum glauben: es gibt ein Motel! Nach kurzer Besichtigung und einem Gefühl wie inmitten der Neuauflage von „Psycho” steht fest: das wird ganz sicher nicht unsere Location für die nächsten neun Tage! Letzte Hoffnung Kailua und damit auch schon fast die Insel einmal umrundet. Das Örtchen empfing uns recht ansprechend, ein Supermarkt, ein Starbucks (was will man mehr? ) und ein elendslanger Sandstrand, der sich vorerst zwischen eleganten Strandhäuschen verstecken wollte. Allfällige Hotels müssen sich hier nicht verstecken, es gibt sie erst gar nicht. Nachdem die Menschen im Buchgeschäft mit dem Kopf schütteln, sich selbst die Polizisten in seltsames Schweigen hüllen und das Visitors Center laut Türschild nur dann öffnet, “if a volunteer is available” (und das war er an diesem Sonntag schon mal gar nicht), dämmerte es nicht nur am Himmel, sondern auch in unseren Köpfen: Auch Kailua will uns nicht haben! Als wollte man uns sagen, wir Hawaiianer möchten gerne an einem Ort ungestört wohnen, ihr Touristen habt doch Honolulu! Ja, und genau da sind wir nun wieder. Und es ist gar nicht so schlimm nach dieser einschneidenden Expeditionserfahrung. Wir suchen zwischen asiatischen Touristen mindestens dreimal täglich einen ABC-Store auf (irgendwas findet sich in diesen Allzweckläden immer, was man kaufen muss), wir liegen wie die Ölsardinen am Strand von Waikiki, lassen uns alle fünf Meter Flyer von Surfschulen in die Hand drücken (“garanteed to stand up or money back” – wer wundert sich da noch, dass die Surfinstruktoren ständig quer übers Meer “stand up, staaand uuup!!“ brüllen, bevor ihre Schützlinge wie nasse Zementsäcke vom Board ins Wasser rollen) und trinken abends in einer gepflegten Hotelbar unseren dekorierten Cocktail, bevor wir nach einem anstrengenden Tag im Leben eines Vollbluttouristen in unser ebenfalls sehr gepflegtes Aqua Aloha Surf & Spa Hotel (und zu diesem Thema wartet noch eine ganz andere sonderbare Geschichte!) zurückkehren. Wir ziehen das jetzt die nächsten Tage durch, 100 % Touri, 100 % Waikiki! Und dann wird ein Surfboard gemietet und damit stelle ich mich dann an jede Kreuzung, jeden Zebrastreifen und jede Ampel. So ein Feeling gibt’s nie wieder, barfuss im Bikini mit dem Brett unterm Arm irgendwo zwischen Asphalt und Einkaufstraßen als wäre es das Normalste der Welt! Aloha, Jea*

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