6 Stunden 38 Minuten to go…

Posted on Oktober 15, 2008 von

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Mit Coldplay im Ohr und ganz roten trockenen Augen sitze ich hier im Flugzeug nach L.A. und kann es kaum erwarten endlich anzukommen. So gut Jeanette und ich als Reisepartnerinnen zusammen passen mögen, wenn es ums Fliegen und um Flugzeuge geht, hört sich der Spaß auf (zumindest für Jeanette).  Für mich ist dieser Flug wie ein fauler Nachmittag vor der Glotze. Ein Tag an dem man nichts anderes tut als seichte Movies zu sehen und ab und zu was zu essen. Hier ist das aber eigentlich noch viel besser! Es gibt eine riesen Auswahl an Filmen und das Essen und die Getränke muss man sich nicht mal selber holen. Für ein paar Stunden lässt es sich schon so leben. Außerdem ist dieser Flug genial, weil ich einen Gangplatz habe (rechts außen, 49 G) und neben mir in der Mitte sind zwei Plätze frei. Das Gefühl ständig von seinem Nebenmann bedrängt zu werden macht für mich so manchen Flug auch zum Horrortrip. Luftlöcher, besoffene Piloten, schlecht geschminkte Stewardessen mit Mundgeruch – alles nicht so schlimm, aber der ständige Kampf um die Sitzlehne in der Mitte macht mich fertig.

Aber gut,  heute sitze  ich hier ganz entspannt und kann mich ausbreiten und meinen  Nachmittag genießen. Und dabei musste ich den Platz schon fast wieder räumen, weil Jeanette nicht so weit hinten sitzen wollte. Mit ein bisschen Überredungskunst, zwei – drei von Jeanettes Wunderflugtabletten und einer kleinen Flasche Wein für die liebe Jea sitzen wir aber immer noch hier J Ein volles Flugzeug und neben uns beiden ist jeweils ein Platz frei – sollte uns das zu denken geben? Ich denke, dass ist einfach schon wieder ein kleines Quäntchen Luxus für uns beide. Für die First Class hat´s nicht gereicht – aber man kann auch Economy stilvoll genießen. Zumindest ich J , Jeanette da drüber sieht immer noch etwas besorgt aus. Aber bei den 9 Flügen, die wir bis zu unserer Rückkehr noch vor uns haben ist die Flugangstherapie gratis dabei!

Ich bin gespannt, was uns in den nächsten Stunden erwarten wird. Ich leide hier schon an schwerem Schlafmangel – vor lauter Aufregung habe ich in der „Nacht“ (von 23.00 bis 2.35 Uhr) gefühlte 25 Minuten geschlafen. Nämlich genau die, die ich schon hellwach in der Dusche verbringen hätte sollen. Mein Start in den Tag hat heute schon mit einem Herzinfarkt beim Blick auf die Uhr begonnen. Ewig wach gelegen , dann geht der Weckton beim Handy los, ich denk mir „ Ja, ich steh eh gleich auf“. Falsch gedacht – jetzt, da ich aufstehen hätte sollen, habe ich genüsslich geschlafen. Dementsprechend hektisch waren die verbleibenden 25 Minuten für Duschen, das zerdrückte Gesicht irgendwie so hinzubekommen, dass ich durch die Gesichtskontrolle am Flughafen komme und den Rest einpacken (den ich extra übrig gelassen habe, weil ich ja eh früh genug aufstehen – ha!) Ja, der Start in den Tag – der ohnehin mitten in der Nacht war – war etwas hektisch. Was da alles auf der Strecke geblieben ist, werde ich in den nächsten Stunden und Tagen merken und mit meiner Kreditkarte gemeinsam ausbaden.

Nach „Sex and the City“ bin ich jetzt ganz sentimental und peinlich berührt weil ich hier inmitten gelangweilter und mies gelaunter Flugpassagiere zwei Mal in Tränen ausgebrochen bin. Deshalb auch die roten Augen.

Mal sehen was als Nächstes ansteht. Ah ja, Da Vinci Code it is! Den habe ich am Sonntag bei uns im Fernsehen verpasst und  schon kann ich das hier wieder gut machen. Ich sag´s ja, so ein Langstreckenflug kann schon was Feines sein.

Und gesund kann es auch sein. Jea und ich haben heute schon den Bedarf an Hülsenfrüchten für die nächsten zehn Jahre verdrückt. Das Veggie-Meal (das wir gleich für alle Flüge vorbestellt haben) bestand aus einem Linsensalat und überbackenen Bohnen mit Linsen und wurde uns ganz fürstlich vor allen anderen an unseren Economy-Deluxe Sitzen serviert. Platz auf zwei Tischen Essen und Getränke auszubreiten und die neidischen Blicke der anderen Passagiere, die noch mindestens eine halbe Stunde auf ihr eigenes Essen warten mussten – ein herrliches Gefühl. Reisen mit Stil – das ist doch irgendwie das Motto hier!